Am schnellsten merkt es der Vertrieb. Wenn ein Kunde eine Datenschnittstelle, ein Exportformat oder einen Nachweis verlangt und die eigene IT das nicht liefern kann, ist das kein IT-Thema mehr, sondern ein verlorener Auftrag. Die Antwort fällt dabei in dem Moment, in dem gefragt wird, und nicht dann, wenn das Thema intern auf die Agenda passt.
Weniger offensichtlich ist die Wirkung auf die Abhängigkeit von Anbietern. Die neuen Regeln zum Wechsel von Cloud-Diensten nützen nur Unternehmen, die wissen, welche Daten und Prozesse bei welchem Anbieter liegen und wie sich beides herauslösen ließe. Wer das nicht geklärt hat, bleibt faktisch gebunden, obwohl die rechtlichen Hürden gefallen sind.
Am längsten unbemerkt bleibt ein Muster in der Entscheidungslogik. Technische Entscheidungen werden im Mittelstand häufig rein nach internen Kriterien getroffen, etwa nach Kosten, Aufwand oder Auslastung. Anforderungen von außen, ob aus Verträgen, Aufbewahrungspflichten oder Regulierung, kommen in dieser Abwägung oft gar nicht vor. Das fällt erst auf, wenn jemand sie einfordert.
Aus der STRATIQ-Projekterfahrung: Bei einem Unternehmen aus dem Einzelhandel zeigte das Assessment eine Lücke genau an dieser Stelle. Mehrere Altanwendungen waren abgeschaltet worden, ohne dass zuvor geklärt war, welche Daten daraus wie lange und in welcher Form verfügbar bleiben müssen. Ein Konzept für Aufbewahrung und Löschung existierte nicht. Die Abschaltungen waren aus IT-Sicht sauber geplant, aber niemand hatte die Anforderungen geprüft, die von außen an diese Daten gestellt werden. Im Anschluss wurden die Aufbewahrungsanforderungen erhoben und eine Regelung aufgesetzt, die festlegt, welche Daten bei künftigen Ablösungen in welcher Form erhalten bleiben.