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Woran Sie erkennen, dass Ihr IT-Betrieb das Geschäft ausbremst
Angelo F.
Redaktion I STRATIQ GmbH
Aktuelle Entwicklung
Auf den ersten Blick entspannt sich die Lage. Nach der Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte vom September 2026 sind in Deutschland noch 79.000 IT-Stellen unbesetzt. 2023 waren es 149.000. Der Engpass hat sich damit binnen drei Jahren fast halbiert.
Im IT-Betrieb kommt diese Entspannung allerdings nicht an. Unter den Unternehmen, die aktuell IT-Stellen ausschreiben, suchen 26 Prozent Personal für IT-Administration und Systembetrieb. Das ist das derzeit am häufigsten gesuchte Profil. Und 97 Prozent der Unternehmen mit offenen IT-Stellen berichten von Besetzungsschwierigkeiten. Die Angabe zu den Tätigkeitsfeldern beruht allerdings auf einer kleinen Teilstichprobe von 105 Unternehmen.
Was Unternehmen bei der Digitalisierung tatsächlich ausbremst, zeigt die DIHK-Digitalisierungsumfrage vom Januar 2026, für die 4.686 Unternehmen befragt wurden. Ganz oben stehen fehlende zeitliche Ressourcen mit 58 Prozent, dahinter die Komplexität der Vorhaben mit 56 Prozent. Geld folgt erst mit 40 Prozent, fehlende IT-Fachkräfte mit 29 Prozent.
der Unternehmen sucht Personal für IT-Administration und Systembetrieb
26%
der Unternehmen fehlen die zeitliche Ressourcen
58%
Warum ist das für Sie relevant?
Ein IT-Betrieb meldet sich selten von selbst. Solange Systeme laufen, Mails ankommen und sich niemand aus den Fachbereichen beschwert, gibt es aus Sicht der Geschäftsführung keinen Anlass, genauer hinzusehen. Anders als Vertrieb oder Produktion erzeugt der IT-Betrieb im Normalzustand keine Zahlen, die jemand regelmäßig liest.
Deshalb verschiebt sich die Lage oft unbemerkt. Ein Team, das vor fünf Jahren 80 Arbeitsplätze betreut hat, betreut heute 140, dazu drei neue Anwendungen, zwei Standorte und mobile Arbeit. Der Betrieb läuft weiter, aber die Reserve ist aufgebraucht. Sichtbar wird das erst, wenn ein Projekt liegen bleibt, eine Migration sich um Monate verschiebt oder ein Ausfall länger dauert als erwartet. Bis dahin spricht nichts dagegen, dass alles in Ordnung ist.
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Sichtbar wird das erst, wenn ein Projekt liegen bleibt, eine Migration sich um Monate verschiebt oder ein Ausfall länger dauert als erwartet. Bis dahin spricht nichts dagegen, dass alles in Ordnung ist.
Die häufigste Falschannahme
„Solange sich niemand beschwert, läuft es.“
Ausbleibende Beschwerden sind kein Qualitätsnachweis, sondern eine Aussage über das Meldeverhalten der Belegschaft. Ob eine Störung gemeldet wird, hängt von mehreren Dingen ab: vom Aufwand der Meldung, von der Erwartung, dass sie etwas bewirkt, und davon, ob man sich an einen Umweg bereits gewöhnt hat. Was die IT erreicht, ist damit immer nur ein Ausschnitt.
Wie wenig aussagekräftig ein scheinbar stabiler Zustand ist, zeigen die Zahlen der DIHK zur Notfallvorsorge besonders deutlich. 88 Prozent der befragten Unternehmen sichern ihre Daten per Backup. Aber nur 35 Prozent prüfen regelmäßig, ob sich diese Backups auch zurückspielen lassen. Einen Notfallplan haben 30 Prozent, geübt wird er bei 13 Prozent. Formal ist die Vorsorge also vorhanden. Ob sie im Ernstfall trägt, weiß die große Mehrheit nicht.
Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen
Am teuersten wirkt sich das auf die Weiterentwicklung aus. Wenn die vorhandene Kapazität vollständig in den laufenden Betrieb fließt, bleibt für Vorhaben, die das Geschäft voranbringen, nichts übrig. Die Zahlen der KfW deuten in dieselbe Richtung. Nach dem KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025 haben nur noch 30 Prozent der Mittelständler Digitalisierungsvorhaben abgeschlossen, fünf Prozentpunkte weniger als zuvor. Die Digitalisierungsausgaben fielen um 8,1 Milliarden auf 23,8 Milliarden Euro.
Betroffen ist auch die Steuerung externer Dienstleister. Wo Teile des Betriebs ausgelagert sind, verschiebt sich die Frage nach der Servicequalität nur, sie verschwindet nicht. Wer im eigenen Haus nicht misst, hat auch gegenüber dem Dienstleister keine Grundlage, um Leistung einzufordern oder Verträge nachzuverhandeln. Diskussionen über Qualität bleiben dann eine Frage der Wahrnehmung auf beiden Seiten.
Schließlich leidet die Belastbarkeit im Ernstfall. Ein Betrieb ohne Puffer kann einen größeren Vorfall nicht abfedern, weil niemand frei ist, um ihn zu bearbeiten. Die DIHK-Zahlen zur Notfallvorsorge deuten darauf hin, dass die Lücke zwischen vorhandenen und erprobten Verfahren in vielen Unternehmen erheblich ist.
Aus der STRATIQ-Projekterfahrung: In unseren Assessments machen wir solche Engpässe sichtbar, bevor sie sich in verzögerten Projekten zeigen. Dabei schauen wir nicht allein auf Ticketzahlen und Bearbeitungszeiten. Diese Werte sagen aus, wie viel bearbeitet wurde, aber nicht, ob die Fachbereiche die Leistung als brauchbar erleben. Deshalb ergänzen wir die quantitative Auswertung um qualitative Erhebungen bei den Nutzern. Erst beide Perspektiven zusammen zeigen, wo der Betrieb tatsächlich klemmt. Auf dieser Grundlage lassen sich IT-Services gezielt verbessern, damit die IT im Mittelstand nicht zur Bremse für das Geschäft wird.
Bemerkenswert ist, was sich zu alldem nicht sagen lässt. Wie viel Zeit im IT-Betrieb mittelständischer Unternehmen tatsächlich auf Störungsbehebung entfällt und wie viel auf Weiterentwicklung, dazu gibt es keine unabhängige Erhebung für Deutschland.
Handlungsempfehlungen
Diese Fragen zeigen schnell, ob Ihr IT-Betrieb noch Reserve hat:
Wie verteilt sich die Arbeitszeit unseres IT-Teams auf Störungsbehebung, Routinebetrieb und Weiterentwicklung? Wenn diese Frage im Haus niemand beantworten kann, ist das bereits das Ergebnis.
Welche IT-Vorhaben haben wir in den letzten zwölf Monaten geplant, aber nicht begonnen oder nicht abgeschlossen, und woran lag es jeweils?
Wie erfahren wir von Störungen? Gibt es einen definierten Weg, oder erreichen uns Probleme über Zuruf, kurze Wege und persönliche Kontakte?
Wann haben wir zuletzt die Zufriedenheit der Fachbereiche mit der IT erhoben, statt sie aus der Zahl der Beschwerden abzuleiten?
Haben wir unsere Wiederherstellung aus dem Backup im letzten Jahr tatsächlich getestet, und wie lange hat sie gedauert??
Welche Leistungskennzahlen haben wir mit unseren IT-Dienstleistern vereinbart, und wer prüft deren Einhaltung regelmäßig?
Sinnvolle Maßnahmen sind eine einfache Erfassung, wie sich die Arbeitszeit im IT-Team verteilt, ein definierter Meldeweg für Störungen, eine jährliche Rückmeldung aus den Fachbereichen sowie ein praktisch erprobter Wiederanlauf. Keine dieser Maßnahmen erfordert eine große Einführung. Sie erfordern die Entscheidung, hinzusehen.
Fazit
Ein IT-Betrieb, der das Geschäft ausbremst, fällt nicht aus. Er wird langsamer, unflexibler und anfälliger, ohne dass es jemand bemerkt, solange niemand danach fragt. Spürbar wird es dort, wo Vorhaben liegen bleiben und Entscheidungen auf die IT warten. Die Entspannung am Arbeitsmarkt ändert daran wenig, denn gesucht wird weiterhin vor allem Personal für Administration und Systembetrieb. Wer wissen will, wie es um den eigenen Betrieb steht, kommt um das Messen nicht herum. Ob Ihr IT-Betrieb noch Reserve hat oder bereits am Limit arbeitet, lässt sich feststellen, bevor es ein Projekt oder ein Vorfall zeigt. Im STRATIQ Enterprise IT Assessment ist Betrieb & Service Delivery eine von acht Bewertungsdimensionen. Wir machen sichtbar, wie viel Kapazität tatsächlich in den laufenden Betrieb fließt, wie belastbar Ihre Service- und Wiederanlaufprozesse sind und wo sich mit vertretbarem Aufwand Luft gewinnen lässt. Vereinbaren Sie gerne ein unverbindliches Strategiegespräch, um Ihren aktuellen Stand einzuordnen.